{"id":410,"date":"2023-01-01T19:42:05","date_gmt":"2023-01-01T18:42:05","guid":{"rendered":"https:\/\/web.nexialistik.de\/?p=410"},"modified":"2024-08-06T15:25:04","modified_gmt":"2024-08-06T13:25:04","slug":"kontrolle-und-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web.nexialistik.de\/?p=410","title":{"rendered":"Kontrolle und Wachstum"},"content":{"rendered":"\n<p>Unternehmen sind komplexe Systeme und je gr\u00f6\u00dfer ein Unternehmen ist, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Grad der Komplexit\u00e4t. Wie diese Komplexit\u00e4t durchschaut und beherrscht werden kann, dar\u00fcber gibt es unz\u00e4hlige, sich teilweise erg\u00e4nzende und teilweise widersprechende Theorien, die vor Allem dem Zeitgeist unterliegen. Allerdings ist das Versprechen Komplexit\u00e4t zu durchschauen bereits per Definition nicht haltbar, denn im Unterschied zum komplizierten System, welches schwer zu verstehen ist, aber dennoch beschreibbaren Regeln folgt, kann ein komplexes System, trotz (scheinbar) vollst\u00e4ndiger Information, nicht beschrieben werden und kann damit auch nicht verstanden werden. Der Glaube das eigene Unternehmen vollst\u00e4ndig zu verstehen, endet leicht in der Insolvenz. Dennoch ist unternehmerischer Erfolg kein reines Zufallsprodukt. Akzeptiert man die Tatsache, dass ein Unternehmen niemals vollst\u00e4ndig verstanden werden kann, f\u00e4llt es leichter sich darauf einzulassen, Handlungs-\/Kontrollbereiche zu priorisieren und Komplexit\u00e4t auf ein beherrschbares Ma\u00df anzupassen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sehbereich als Analogie zum Handlungs-\/Kontrollbereich<\/h4>\n\n\n\n<p>S\u00e4tze wie &#8222;Das glaube ich erst wenn ich es sehe!&#8220; oder &#8222;Aus dem Auge, aus dem Sinn!&#8220; machen deutlich wie wichtig &#8222;Sehen&#8220; f\u00fcr die Wahrnehmung und die Wahrhabung ist. Daher ist der Sehbereich als Analogie zum Handlungs-\/Kontrollbereich naheliegend und tats\u00e4chlich lassen sich viele Aspekte des Management damit eindr\u00fccklich darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Anforderungen an Bildschirmarbeitspl\u00e4tzen der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) sind das Umblickfeld (mit 120\u00b0), das Blickfeld (mit 70\u00b0) und das Gesichtsfeld (mit 30\u00b0) als Arbeitsbereich <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/publikationen.dguv.de\/widgets\/pdf\/download\/article\/409\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/publikationen.dguv.de\/widgets\/pdf\/download\/article\/409\" target=\"_blank\">definiert<\/a>. Dabei ist der Fokusbereich (mit 4\u00b0), in dem scharfes Sehen m\u00f6glich ist, noch deutlich kleiner <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bghm.de\/fileadmin\/user_upload\/Arbeitsschuetzer\/Gesetze_Vorschriften\/Informationen\/BGHM-I_101.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bghm.de\/fileadmin\/user_upload\/Arbeitsschuetzer\/Gesetze_Vorschriften\/Informationen\/BGHM-I_101.pdf\" target=\"_blank\">angegeben<\/a>. Je h\u00e4ufiger ein Arbeitsmittel ben\u00f6tigt wird, desto zentraler sollte dessen\/deren Position sein. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-422\" srcset=\"https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2-1024x576.png 1024w, https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2-300x169.png 300w, https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2-768x432.png 768w, https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2-1536x864.png 1536w, https:\/\/web.nexialistik.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Bildschirmarbeitsplatz-SehFeld-2.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Definierte Sehwinkel in Anforderungen f\u00fcr Bildschirmarbeitspl\u00e4tze nach BGHM.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als vereinfachte Analogie kann man sich ein Unternehmen als B\u00fcroarbeitsplatz und den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer als B\u00fcroarbeiter vorstellen. Am Arbeitsplatz (im Umblickfeld) steht nun ein Horizont von 120\u00b0 zur Verf\u00fcgung. Es wird ein anstrengender Arbeitstag, wenn permanent der Kopf und die Augen bewegt werden m\u00fcssen um die Arbeit zu erledigen, daher m\u00fcssen h\u00e4ufiger benutzte Arbeitsmittel in einen Bereich geschoben werden in dem nur die Augen bewegt werden m\u00fcssen. Hierf\u00fcr stehen aber nur noch 70\u00b0 (Blickfeld) zur Verf\u00fcgung. Arbeitsmittel st\u00e4ndig im Auge behalten werden m\u00fcssen, m\u00fcssen wiederum in einem Bereich stehen, in dem auch die Augen nicht bewegt werden m\u00fcssen. Hierf\u00fcr stehen nur noch 30\u00b0 (Gesichtsfeld) zur Verf\u00fcgung. Um die eigenen Aufgaben erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen muss man allerdings scharf sehen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr stehen nur noch 4\u00b0 (Fokusfeld) zur Verf\u00fcgung. Gleichzeitig ist klar, 240\u00b0 des Horizonts sind nicht einsehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend der Analogie steht einem Mitarbeiter im Unternehmen, sei es ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer oder ein einfacher Angestellter, nur ein begrenzter Handlungs-\/Kontrollbereich zur Verf\u00fcgung, in den ein beherrschbares Ma\u00df an Komplexit\u00e4t passen muss. W\u00e4hrend man sich bewusst sein muss, dass ein gro\u00dfer Teil des Unternehmens oder Arbeitsbereichs nicht selbst beherrschbar sind. F\u00fcr den eigene Kernarbeitsbereich steht nur ein kleiner Teil der eigenen Kapazit\u00e4ten zur Verf\u00fcgung. Etwas mehr Kapazit\u00e4t d\u00fcrfen Themen in Anspruch nehmen die immer im Auge behalten werden m\u00fcssen, gefolgt von Arbeiten die h\u00e4ufig und Arbeiten die selten \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen. Diese Kapazit\u00e4tsbereiche \u00fcberschneiden sich selbstverst\u00e4ndlich nicht, sondern begrenzen sich selbst und gegenseitig. Wer den ganzen Tag damit verbringt Arbeiten zu pr\u00fcfen, die nur selten gepr\u00fcft werden m\u00fcssen hat keine Zeit mehr wichtigere T\u00e4tigkeiten zu erledigen und wer glaubt ihm st\u00fcnde ein breiterer Fokus zur Verf\u00fcgung wird schnell von der Realit\u00e4t \u00fcberrollt. Durch geeignete Ma\u00dfnahmen (organisatorisch, personell, technologisch, &#8230;) muss Komplexit\u00e4t soweit aufgeteilt werden, bis ein f\u00fcr Einzelne beherrschbares Ma\u00df entsteht. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kontrollverlust durch wachsende Komplexit\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein selbstst\u00e4ndiger Handwerker \u00fcberblickt m\u00f6glicherweise weitgehend sein Produkt und sein Unternehmen. Sein Kundenkreis ist \u00fcberschaubar, in betriebswirtschaftlichen Belangen unterst\u00fctzt ihn ein Freund. Mit der Zeit steigt die Nachfrage zu seinem Produkt und der Handwerker muss zus\u00e4tzlich Handwerker einstellen. F\u00fcr die damit einhergehenden Personalthemen und den wachsenden buchhalterischen Aufgaben wird auch eine B\u00fcrokraft eingestellt. Da die Nachfrage des Produkts weiter steigt und auch \u00f6rtlich weit entfernte Anfragen kommen werden Vertriebsaktivit\u00e4ten an Zwischenh\u00e4ndler und Makler abgegeben. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen Fertigungsmaschinen angeschafft werden, was zus\u00e4tzliche Aufgaben, beispielsweise zur Arbeitssicherheit er\u00f6ffnet. Auch betriebswirtschaftlich kommen immer mehr Aufgaben hinzu. Der Handwerksbetrieb wandelt sich allm\u00e4hlich in einen Industriebetrieb. Die wachsende Mitarbeiteranzahl macht eine Leitungsstruktur erforderlich und einzelne Fertigungsschritte m\u00fcssen aufgeteilt werden. Neue Produkte und neue Fertigungsstandorte kommen hinzu. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrde der selbstst\u00e4ndige Handwerker versuchen jeden Unternehmensbereich voll unter Kontrolle zu haben m\u00fcsste er entweder auf Wachstum verzichten oder \u00fcbermenschliche Kr\u00e4fte besitzen. Mit dem Wachstum verschiebt sich allerdings auch sein Fokus, weg von einer produktiven Arbeit, hin zu einer kontrollierenden Arbeit. Wo dieser Fokus liegen muss, kann sich im Laufe der Zeit \u00e4ndern. Daher ist es wichtig den eigenen Fokus immer wieder zu Hinterfragen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen sind komplexe Systeme und je gr\u00f6\u00dfer ein Unternehmen ist, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Grad der Komplexit\u00e4t. Wie diese Komplexit\u00e4t durchschaut und beherrscht werden kann, dar\u00fcber gibt es unz\u00e4hlige, sich teilweise erg\u00e4nzende und teilweise widersprechende Theorien, die vor Allem dem Zeitgeist unterliegen. 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